Materie und Stille

Mein Stil beruht auf der Schlichtheit, auf der Ausschaltung der überflüssigen Beredsamkeit des Abbildes. Es geht mir um die Spuren der Modulation des Raumes und der Orchestrierung des NICHT-GESAGTEN, der LEERE, sie wird zum Zeichen erhoben. 

Limonit

Limonit
20 x 15 x 15 cm

Der Madrider Komponist Gonzalo de Olavide geht in seinem Werk STIGMA von einer Betrachtung des Schweigens als tönerne Stille aus. Das Schweigen ist keine Leere, sondern eine „aktive Bestätigung eines tönenden Fließens“, das etwas über die Versunkenheit aussagt. Meine Arbeit ist so aufgefasst und strukturiert wie ein unermessliches und doch bewohnbares Schweigen.

Das plastische Volumen, ebenso wie das Klangvolumen, setzt voraus, dass eine Spannung im Schweigen, in der Leere des Raumes aufgebaut wird, dort, wo sich die Schwingung der Form über ihre eigene  Begrenzung hinaus verlängert und zusammen mit der Leere ihre wahre Gestalt aus der Fülle struktureller Möglichkeiten formt. Bildhauerei und Musik bewegen sich im gleichen tönenden Raum, der immer weiter klingt.

Mit meinem Raumkonzept meiner Plastiken möchte ich eine Verbindung zwischen unserer existentiellen Erfahrung des Raumes schaffen und der wissenschaftlichen Erkenntnis über ihn. Es ist die Darstellung einer nicht darstellbaren Konzeption, es ist eine Ästhetik einer Erkenntnissen gemäßen Übertragung, die versucht die Bedeutung des Raumes zu erweitern.

Terra Due

Terra Due
2-teilig
25 x 25 x 12,5 cm

In der Poesie des spanischen Dichters Jose Angel Valente gibt es eine Wertbestimmung der Stille, die Stille als natürlicher Stoff des Textes und des Gedichtes als Ort des Schweigens. Hier zeigt sich ein dem zeitgenössischen Bildhauer paralleles Bewußtsein, für welchen das Werk der Ort des Schweigens ist und die Stille das natürliche Material seiner Plastik. Seine Erfahrung ist, eine Erfahrbarkeit der Grenzen und in bestimmter Weise ein Versuch, diese zu überschreiten, so wie es zu anderen Zeiten und in anderen Kulturkreisen eine Überschreitung mit Hilfe mystischer Erfahrungen gegeben hat. Es sind Erfahrungen, die sich im Grenzbereich des Erfahrbaren bewegen.

Als menschliche Wesen sind wir mit der Fähigkeit ausgestattet, uns im Geiste den gehörten Raum vorzustellen, den uns die Töne vermitteln. Die musikalische Komposition ist für sich genommen bereits geistige ‚Architektur‘, wobei es nicht nur darum geht, die Zeit zu strukturieren, sondern sie zu füllen oder zu entleeren.

John Cage brachte in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts den Gedanken auf, dass Musik nicht nur aus Tönen zusammengesetzt sei, sondern aus allem möglichen, das innerhalb einer bestimmten Zeitspanne Platz fände. Sein bekanntes Buch trägt den Titel „STILLE“. Er wollte, indem er auf das horchte, was nicht zu hören ist, die Stille erschaffen.

Alle diese Bedeutungen stehen mit dem Menschen in Verbindung, sind menschliche Maßstäbe. Eine gewisse Idee oder Vorstellung von Beziehung, oder besser gesagt von Wechselwirkung kommt hierin zum Ausdruck, sei es die der Noten, die der Größenverhältnisse oder die der Menschen.

Nicht nur das Vollkommene, das Vollendete, das Abgeschlossene beflügelt unsere Phantasie, sondern auch das Unfertige, das in Frage zu Stellende. Meine Kunst schließt nicht ein, sondern will neue Horizonte eröffnen.