Materie und Raum – Materie und Zeit

Roter Canyon

Roter Canyon

Meine Werke sind hauptsächlich aus massiver Erde. Das ist mir wichtig darauf hinzuweisen, da das Material, außer bei der Backsteinherstellung, anders verarbeitet wird.

Tonerde ist nicht bedeutungsvoll wie andere Bodenschätze. Das wird sie erst durch die menschliche Hand, durch meine Hand und meine Seele, die ich in jedes Kunstwerk einbringe.

Massiv arbeiten heißt für mich die „MATERIE ZU BEFRAGEN“, von außen nach innen.

Bei diesen Werkgruppen, begonnen habe ich damit im Jahr 1991, dreht es sich immer um den Raum und um die Zeit. Spuren des Raumes oder der Zeit, die in die Materie eindringen. Es gibt bei diesen Arbeiten kein räumliches Volumen, keinen Innenraum, es gibt Andeutungen von räumlichen Strukturen – Spuren des eindringenden Raumes oder Spuren der eindringenden Zeit. Spuren, die außen beginnen und nach innen laufen, von denen ich nicht weiß wo sie enden oder die Materie durchdringen und sich auf der anderen Seite fortsetzen.

Bei diesen massiven Arbeiten wird nicht modelliert, wie bei der traditionellen Art des Umgangs mit diesem Material. Eindringen und Einpressen, Drücken, Quetschen und Schlagen ist alles. Hier wird nichts weggenommen oder hinzugefügt. Daraus ergibt sich eine direkte Beziehung zu dem Material, das auf die Druckkraft reagiert. Ich muss im Prozess des Arbeitens den Moment finden, in dem sich die Materie im richtigen Zustand befindet, um das ausführen zu können, was ich mir vorgenommen habe.

„Materie ist ein langsamer Raum und Raum ist eine schnelle Materie.“
Erde, hier schamottierter Ton, ist eine der langsamsten Materien!

Erde 94-01

Erde 94-01

Das endgültige Ergebnis eines keramischen Werkes ist durch technische Faktoren, den Öfen bzw. dem jeweiligen Feuer bedingt. Meine Erde wird umhüllt mit den Spuren des Feuers und der Verwandlung der aufgetragenen Metallsalze oder Metalloxide. Je nach dem welche Hülle ich meinen Arbeiten geben will, werden sie in unterschiedlichen Techniken gebrannt. Erkennbar ist, dass die Werke angeschnitten oder durchschnitten sind. Das Concetto beruht auf der Idee der Wiederholung und Aneinanderreihung oder Übereinandersetzung von scheinbar ein und derselben Form zu einer möglichen Unendlichkeit.

Mein Schaffen von dieser Art von Skulpturen ist nicht als Feststellung zu verstehen, sondern immer als

„Frage an Materie und Raum – Frage an Materie und Zeit“

Materie ist das Material, die Tonerde und Raum ist ein philosophischer oder ein nicht fest eingegrenzter physikalischer Raum, ein Ausdehnungsraum. (1)

Zeit lässt sich nicht darstellen. Demnach kann ich nur die Spuren der Zeit sichtbar machen.

 


[1] Ein Stück von der Unendlichkeit zwischen zwei aufeinander folgenden natürlichen Zahlen hat der Computerexperte Fabrice Bellard vorgeführt, indem er in 131 Tagen und Nächten die Zahl π (3,14) auf 2,7 Billionen Dezimalstellen berechnete. Das sind 10 hoch 10 000 000 Nachkommastellen, während es im gesamten Universum nur etwa 10 hoch 79 Elementarteilchen gibt.